Garrett M. Graff – Und auf einmal diese Stille

Und dann waren da jedes Jahr diese Bilder, Bilder die sich eingebrannt haben. Und auf einmal diese Stille … Garrett M. Graff versucht nun diese Stille mit Stimmen zu füllen. Von der Raumstation, über Schüler, Präsidenten bis hin zu den Menschen in den Türmen, Flugzeugen und dem Pentagon.

Inhalt:

Kein Tag hat sich stärker ins kollektive Gedächtnis gebrannt. Die Bilder, die Geschichten, die Konsequenzen. Doch die Worte derer, die den 11. September tatsächlich erlebt haben, fehlten fast zwanzig Jahre lang. Garrett M. Graff hat diese Worte gefunden, er hat alle Dokumente, alle Interviews zusammengetragen, hat die Stimmen der Einsatzkräfte, der Zeugen, der Überlebenden versammelt und daraus eine überwältigende Erzählung kompiliert – vielstimmig, erfahrungsecht, im O-Ton.

Und auf einmal diese Stille ist das herzzerreißende Logbuch eines historischen Tages und ein monumentales Zeugnis von Hoffnung und Menschlichkeit in der Dunkelheit.

Quelle: Buchrücken


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Meine Meinung:

Es war der perfekte Septembertag, mit einem Hauch von Herbst in der Luft. Einer dieser Septembertage, an dem die Ferien enden, ein Tag voller Möglichkeiten und auf seine ganz eigene Art: ein Neuanfang.

Katie Couric, Moderatorin, The Today Show

Garrett M. Graff – Und auf einmal die Stille: Die Oral History des 11. September – Suhrkamp Verlag 2020

Ich weiß noch, das auch bei uns die Sonne schien und es ein wunderbarer Tag war. Ich wollte nur gerade nach Nachrichten schauen, bevor ich mich um den Haushalt kümmern wollte. Doch mein Haushalt war mir dann komplett egal. Ich habe vor dem Fernseher gesessen und erst ungläubig geschaut und dann nur noch geweint.

Wisst ihr noch, was ihr getan habt? – Wo ihr wart?

Nächstes Jahr jährt sich der Anschlag auf die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York schon zum 20. Mal. Doch wenn ich die Bilder von damals sehe, dann fällt es mir schwer zu glauben, das es schon fast 20 Jahre sind. Das es inzwischen Erwachsene gibt, die ohne eigene Erinnerungen an diesen Tag groß geworden sind. Für die dieser Tag nur Geschichte und nicht Erinnerung ist. Meine eigene Tochter gehört dazu. Sie war damals gerade erst 1 Jahr alt.

Für diese Menschen, wie meine Tochter muss die Erinnerung erhalten werden. Erinnerung daran, das am 11. September 2001 nicht nur 2 Wolkenkratzer eingestürzt sind, 4 Flugzeuge abgestürzt sind, das Pentagon gebrannt hat – sondern daran das eine Gruppe von Menschen – am gefühlt anderen Ende der Welt – beschlossen haben, das tausende Menschen den Tod verdient haben, einfach weil sie in den USA waren, weil sie Amerikaner waren, weil sie an diesem Tag in den Twin-Towers waren – weil sie nicht der richtigen Religion angehört haben!

Seit Jahren sieht man jeden September wieder die Bilder, man sieht den Horror und man sieht, die Wunde die immer noch in den Herzen der Menschen blutet. Und das nicht nur in New York. Doch was man nicht wirklich sieht sind die Menschen – die Opfer – die Überlebenden. Ich bin froh, das diese Grenze von den Medien nie ausgeschlachtet wurde. Doch diese 2989 Menschen (laut Wikipedia ) sind 2989 Einzelschicksale. 2989 Menschen aus ca. 90 Ländern, die an diesem Tag zu einer Tragödie wurden.

Und nun kommt Garrett M. Graff und gibt diesen Menschen und ihren Angehörigen eine Stimme. Menschen, die in und um die Tower, dem Pentagon und in den Flugzeugen waren, als die Welt sich aufhörte zu drehen. Da sind Journalisten, Firmenbosse, Sekretärinnen, Angestellte, Kunden, Kellner, Politiker, Polizisten, Feuerwehrmänner, … – an diesem Tag waren sie Opfer, Helden, Überlebende.

Für dieses Buch hat er Mitschnitte von Notrufen, von Anrufbeantwortern, von Interview und … durchgearbeitet. Und entstanden ist eine Chronik von Stimmen, die mir auch heute noch – 19 Jahre später – Tränen in die Augen treibt. Ich habe keine Gesichter zu den Namen, aber ich habe jetzt Stimmen in meinem Kopf. Für mich ist der 11. September jetzt ein Tag von Einzelschicksalen. Ein Tag an dem Menschen gestorben sind, an dem Menschen überlebt haben. Er ist nicht mehr nur Bilder, sondern er ist Menschen.

Man hörte nicht einmal die eigenen Schritte. Niemand sprach. Es gab keine Geräusche, keine Autos. Mitten in Manhattan am hellichten Tag, und es war totenstill.

Joe Finley

Garrett M. Graff – Und auf einmal die Stille: Die Oral History des 11. September – Suhrkamp Verlag 2020

Dieses Buch hat mich berührt, aufgewühlt, mich entsetzt. Ich habe geweint und das immer un immer wieder. Diese Menschen sind jetzt nicht mehr nur Bilder von 2 Türmen, sie sind Realität – sie hatten Träume, sie hatten Hoffnung, sie hatten eine Zukunft. Viele dieser Menschen haben jetzt nichts mehr. Sie haben ihre Leben, ihre Lieben, ihre Familien verloren. Und jetzt haben sie Namen, Berufe, Stimmen.

In diesem Buch haben die Worte von Angehörigen und Angestellten in den Türmen genau so Platz wie die Worte von Offiziellen, von Militärs und von Präsidenten. Garrett M. Graff konnte nicht allen Menschen, des 11. Septembers eine Stimme geben, aber er hat eine Mischung gefunden, die allen gerecht werden könnte. Ich finde das Buch sehr gelungen. Es vermittelt eine realistische Stimmung dieses Tages, durch alle Bevölkerungsschichten. Hier wurde Geschichte lebendig – Erinnerungen lebendig.

Fazit: Für mich ist der 11. September jetzt ein Tag von Einzelschicksalen. Ein Tag an dem Menschen gestorben sind, an dem Menschen überlebt haben. Er ist nicht mehr nur Bilder, sondern er ist Menschen – dank Garrett M. Graff.

P.S. Der Originaltitel bezieht sich auf die Air Force One, die nach dem alle Flugzeuge landen mussten, das einzige Flugzeug am Himmel war (abgesehen von Militärfliegern).

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