Marieke Nijkamp – 54 Minuten

Manchmal braucht es Kontraste. Und zum vorherigen Buch ist „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp der vermutlich größtmögliche Kontrast. Erst die gemütliche Liebesgeschichte und nun ein Highschool-Amoklauf. Ich habe mir das Buch dem „Nicht“-Leipziger Buchmesse Besuchs gekauft, weil mich das Thema extrem anspricht und weil es immer aktuell bleibt.

Ob es mich auch beim lesen so gepackt hat, wie ich gehofft /befürchtet habe, das könnt ihr hier erfahren …

Inhalt:

10.00 Uhr
Die Direktorin spricht den letzten Satz ihrer Begrüßungsrede zum neuen Schuljahr.

10.02 Uhr
Die Schüler stehen auf und machen sich auf den Weg in die Klassenräume.

10.03 Uhr
Die Türen der Aula sind blockiert, Unruhe bricht aus.

10.05 Uhr
Eine Tür geht auf. Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe.
»Peng, peng, du bist tot«, sagt Tyler, dann drückt er ab.

Quelle: Fischer Verlage


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Meine Meinung:

Ein Buch über einen Amoklauf an einer Schule ist definitiv keine leichte Lektüre, auch dann nicht wenn es für Jugendliche geschrieben ist. Und jeder der auch sich auch nur halbwegs in seine Lektüre hineinversetzt, für den ist es eine horrormäßige Erfahrung.

Die Geschichte wird aus der Sicht von 4 Schülern erzählt. 2 von ihnen befinden sich im den Amokläufer in der Aula und 2 außerhalb davon und es gibt Social-Media Posts die von außen versuchen zu begreifen was gerade geschieht. 54 Minuten und 4 Personen und ein Schütze, der das Leben aller für immer grundlegend verändert.

Der fiktive Ort Opportunity, Alabama könnte überall sein – in den USA, in Deutschland – im Grunde überall. In dieser Schule gibt es viele verschiedene Jugendliche – die Nerds, die Sportler, die Ausgegrenzten und die, die sich selbst ausgrenzen.

In dem die Autorin hat sich 4 Schüler aus mehreren Hundert rausgesucht. 4 Menschen, wie sie an jeder Schule vorkommen. Da ist Sylv, die Schlaue – ihre Freundin Autumn, die Tänzerin – Claire, die Sportlerin und Tomás, ein Unruhstifter. Dies 4 Menschen hatten ein mehr oder weniger klares Bild von ihrer Zukunft und sie haben Hoffnungen und Geheimnisse. Und als sie an diesem Morgen alle zur Schule gehen, weiß keiner, das sich ihr Leben für immer grausam und tiefgehend verändert haben wird. Und sie zeigen uns, wie sich die Welt in Opportunity in 54 Minuten verändert.

„Es ist alles eine Frage der Wahl, die ihr trefft, heute ebenso wie später. …“

Marieke Nijkamp – 54 Minuten, Kapitel 1 – 2017, 2019 S. Fischer Verlage

Dieses Buch hat mich getroffen. Jedes Kapitel sind nur ein paar Minuten im Leben von Menschen, die ihr Leben nach vor sich haben. Immer gesehen aus den 4 Blickwinkeln der ausgesuchten Schüler. 4 Schüler, die Angehörige in der Schule haben, die Familien zu Hause haben und es gibt verschiedene Menschen, die über Social Media die Menschen in der Schule kontaktieren oder sich als Trolle oder Nervensägen erweisen.

Ich finde, das Buch unglaublich realistisch – zumindest für mich als „Unbeteiligten“. Es sind nur 336 Seiten, doch Durchrutschen ist nicht drin. Ich habe einige Taschentücher während des Lesens benötigt und selbst jetzt beim Schreiben stehe ich noch unter dem Einfluss dessen, was ich gelesen habe. Es ist so eindrucksvoll geschrieben, das ich immer wieder zum Luftholen – zum Abstand nehmen – unter brechen musste. Und dennoch hat es sich es sich sogar in meine (Alp-)Träume geschlichen.

„Dies ist meine Art, unsere Zukunft zu gestalten.“

Marieke Nijkamp – 54 Minuten, Kapitel 14 – 2017, 2019 S. Fischer Verlage

Dieses Buch ist das Debüt, der in den Niederlanden lebenden Autorin und hat sich allein in den USA über viele Monate in der Bestellerliste der „New York Times“ gehalten – was mich nach dem Lesen überhaupt nicht mehr überrascht. Ich habe bisher kaum ein so beeindruckendes Debüt gelesen.

Fazit: Dieses Buch furchtbar – furchtbar realistisch, furchtbar nah, furchtbar beängstigend. Für mich gibt es die diese 54 Minuten ein Must Read – unbedingt! Dieses Buch bringt einen zum Nachdenken – und zum Fürchten.

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